2018/08/14

gefühlt gesund

Ich bin gefüht gesund. Lange war das min Lieblingssatz, wenn ich gefragt wurde, wie es denn um meiner Gesudheit steht. Ich mag die Worte und die Idee dahinter auch immer noch gern.

Schon während der Dauertherapie war ich gefühlt gesund, denn ich hatte im Vergleich zu den vorherigen Monaten kaum noch Einschränkungen in meinem Alltagsleben. Im Rückblick betrachtet waren da zwar schon noch einige Dinge die weniger normal waren, doch ich habe mich davon nicht stören lassen. Die täglichen Tabletten, die vielen Kontrollen im Krankenhaus, die Punktionen und ab und an auch die Schmerzen gehörten dazu. Ich hatte mich daran gewöhnt und versucht das alles so gut zu ignorieren, wie es eben ging. Trotzdem war ich gefühlt gesund, denn die Kontrolltermine waren manchal wirklich ganz nett. Ich kannte viele Schwestern und Ärzte nun schon länger, der Smalltalk war manchmal sehr spaßig, und überhaupt hab ich das alles höchstens als Wehwehchen abgestempelt. Ich wollte unbedingt wieder gesund sein und deswegen sagte ich "Ich bin gefühlt gesund."

Mit Ende der Dauertherapie war ich zwar gegenwärtig nicht mehr in Behandlung, doch ich begann zunehmend die vergangenen zwei Jahre mit der Leukämie zu verarbeiten. Es schien mir, als würde die Leukämie auf ihrem Weg des Abzugs aus meinem Körper noch einen Abstecher über meinen Kopf machen. Sie fand es in meinen Gedanken wohl recht gemütlich. Sie kam mir dort manchmal vor wie ein fieser Mietnormade, denn egal mit welchen Methoden ich versuchte sie dort oben rauszuschmeißen, so einfach ließ sie sich nicht abschütteln. Mein Körper war fertig mit der Therapie, mein Kopf aber noch nicht. Ich war körperlich gefühlt gesund, aber um mich ganz gesund zu nennen fehlte noch etwas.

Also ging ich mit der Leukämie ins Gespräch. Wir redeten viel miteinander. Manchmal waren wir uns einig, manchmal weniger. Manchmal verletzte sie mich und ich fühlte mich elendig, doch ich war auch nicht wehrlos und setzte ihr immer mehr schöne Momente entgegen. Ich sammelte schöne Augenblicke, Gedanken und Gefühle. Ich sammelte die unendliche Dankbarkeit, die ich seitdem empfinde, und ich sammelte liebe Worte, Marmeladenglasmomente und das dazugehörige Kribbeln im Bauch. Anders als vorher gab es jetzt keinen Therapieplan. Es gab keine Therapie-Blöcke, die eine bestimmte Zeit dauern würden und dann angehakt werden konnten. Es gab keine Medikamente und auch keine Verlaufskontrolle. Es gab niemanden, der mal fragte, wie es eigentlich läuft und es war äußerlich auch kaum zu erkennen, dass ein Teil von mir noch nicht fertig war mit der Leukämie. Es gab kaum jemanden, der wusste, dass es noch ein bisschen dauern würde, bis auch meine Gedanken wieder krebsfrei sein würden. Es gab keine gerade Linie, sondern eher einen undeutlichen, kurvigen Trampelpfad. Manchmal führte er über sonnige Hügel, manchmal auch wieder in einschattiges Tal. Ich konnte zwischendurch nicht zurück schauen und sehen wie weit ich schon gekommen war. Ich konnte auch nicht nach vorne schauen und sehen, wie weit ich noch gehen muss und was mich auf dem Weg noch erwarten würde.

Letzendlich weiß ich auch heute noch nicht, wo auf diesem Weg ich jetzt gerade bin. Fest steht aber, dass es seit einiger Zeit nur noch bergauf geht. Der letzte Schatten ist schon eine ganze Weile her. Es scheint so, als fände der tolle Sommer in diesem Jahr auch hier statt.
Ich bin jetzt langsam dort angekommen, wo nur noch so wenig Leukämie in meinem Kopf ist, dass ich sagen kann "Ich bin gesund".
Einige sagen zwar, man wäre nach dem Krebs nach den brühmten fünf Jahren geheilt, aber niemals wieder gesund. Das sehe ich jedoch anders. Es gibt auch andere, die sagen, dass Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit ist und das trifft auf mich zu. Ich bin nicht mehr krank, also bin ich gesund. Ich bin gesund! Ich bin gesund und ich bin unglaublich froh darüber, dass ich mich endlich auch genau so fühle. Ich konnte genügend Dinge auf meinem Weg nun schon abhaken, um das sagen und vor allem fühlen zu können.

Ich weiß nicht, ob es noch weiter bergauf geht, oder ob ich so langsam an der Spitze angekommen bin. Das wäre auch okay. Ich glaube ich möchte auch gar nicht, dass der aller letzte Rest der Leukämie auch noch weiter zieht. Es tut manchmal gut, sich mal mit ihr auseinander zu setzen um die Dinge nochmal anders zu sehen. Aber eben nur dann, wenn ich das gerade möchte, sie zu Wort bitte und ohne, dass sie einfach dazwischen ruft.

Liebe Leukämie, der Rest von Dir darf bleiben. Ich denke, wir haben uns angefreundet über die Jahre und kommen jetzt ganz gut miteinander aus. Ich bin Dir dankbar für vieles. Du bist eine gute Lehrerin, doch über Deine Methoden müssen wir nochmal reden! Ich fühle mich trotz Dir wieder gesund und da lass ich mir von Dir auch ganz bestimmt nicht mehr rein reden! ;)

2018/08/08

I believe in the ocean


I believe in the ocean curing all the bad moods. 
I believe in the waves wiping away worries.
I believe in seashells bringing good luck.
I believe in toes in the sand grounding my soul.

Dieses Jahr bin ich wieder mal mit im Familienurlaub in Asturien, wenn auch nur für eine Woche. Letztes Jahr hatte ich keine Zeit dafür, denn genau in diesen Tagen des Augusts war es soweit sich dem Ham-Nat zu stellen!

2016 war ich also zuletzt hier. Es war direkt nach dem Abi und ich kam zwar auch hinterher, blieb allerdings noch für 2 Wochen. Ich erinnere mich wie mit der vielen Ruhe und dem "einfach-mal-in-den-Tag-rein-leben", das ich diesen Urlaub so sehr genießen kann, meine Gedanken in dem Jahr immer mehr verrückt zu spielen. Hinter mir lagen die zwei Jahre Therapie, die ich ihne Pausen durchgezogen hatte, die zwei Jahre Oberstufe durch die ich mich durchgekämpft hatte, und beides hatte vor kurzem das Finale im Abitur und im Therapieende erreicht. Das erste Mal seit der Diagnose kam ich zur Ruhe und zum Durchatmen. Ich wollte entspannen und mich erholen, doch ich hatte das Gefühl mit jedem Tag wurde das Getummel sämtlicher Gedanken in meinem Kopf immer chaotischer, präsenter und bedrohlicher. Ich wusste nicht so recht wohin mit diesen neuen Sorgen und Ängsten, die ich mir die ganzen zwei Jahre nicht gemacht hatte und die mich nun alle auf einmal zu überrennen schienen. Ich wusste nicht wohin mit meiner Unsicherheit, was mir die Zukunft bringen und wohin mein Weg wohl führen würde. Ich wusste nichts anzufangen mit den Erfahrungen, die ich in diesen letzten zwei Jahren gesammelt hatte und ich suchte nach etwas, womit ich in all diese Gedanken ein wenig sortieren konnte.
Daraus entstand letzendlich dieser Blog, auf dem ich anfing nach und nach meine Gedanken aufzuschreiben. Mit dem Aufschreiben konnte ich sie zumindest ein Stück weit aus meinem Kopf heraus lassen, denn ich wusste ja, dass sie nicht verloren sein würden nur weil sie mir nicht mehr rund um die Uhr präsent waren. Anfangs hatte ich eine lange Liste an Themen zu denen ich etwas schreiben wollte. Einige Beiträge habe ich auch geschrieben, doch viele Überschriften erschienen mir irgendwann unwichtig und so verfasste ich nie Beiträge dazu. Überhaupt ist dieser Blog nicht geordnet. Es ist nur eine Sammlung der Momente, in denen ich das Bedürfnis und die Zeit habe meine Situation oder meine Gedanken hier festzuhalten. Genau deswegen ist das auch kein Blog für viele Leser sondern eigentlich nur ein Blog für mich.

Zwei Jahre später bin ich überglücklich, diese ruhigen und entschleunigen Tage genießen zu können. Es kommen keine Gedanken, die runter ziehen. Statt dessen kommen mir Zukunftswünsche in den Sinn und während ich den Wellen zusehe, wie sie auf den Strand laufen, brechen und tosend versuchen sich so weit wie möglich auf dem Sand vorzubewegen, werden aus den Wünschen in meinem Kopf vage Zulunftspläne. Ich traue mich zu träumen von vielen guten Dingen, die mir vielleicht passieren könnten. Ich traue mich anzunehmen, dass mir wirklich Gutes widerfahren wird und ich traue mich deshalb kein schlechtes Gefühl zu haben und nicht zu denken ich müsste für all das Glück, das ich habe, früher oder später wieder "bezahlen".
Ich ruhe mehr in mir. Ich habe die Richtung gefunden in die mein Weg nun weiter führt und ich warte gespannt darauf, welche Kurven er noch machen wird. Ich weiß ich werde es erfahren früher oder später und ich weiß, dass ich mir nicht jetzt schon unendlich viele Gedanken machen brauch. Ich weiß, dass ich jetzt einfach mal Pause machen kann und dass ich danach umso motivierter wieder meinen Weg weiter gehen werde. Ich weiß dass egal was kommt, es gut werden wird!

2018/08/03

1 Jahr Studentin

Nachdem ich ungefähr 12 Stunden zuhause in Hamburg war, in dieser Zeit 2 Maschienen gewaschen, aufgehangen und teilweise auch schon wieder zusammengelegt habe, die Post sortiert, Gepäck einsortiert, meine Flüge eingeckeckt, Mails beantwortet und auf dem Balkon geschlafen habe, bei der alten Dame zum Putzen und bei der Frauenärztin zur Kontrolle war, kurz was in der Apotheke geholt habe, mir Proviant bereitet und mein Handgepäck gepackt habe, sitze ich nun ganz entspannt am Hamburger Flughafen an meinem Gate und warte darauf, dass ich in den Flieger nach Madrid steigen kann. Nebenbei habe ich in diesen 12 h auch noch versucht meine Serie zuende zu schauen, aber die letzte Folge hab ich leider nicht mehr geschafft :'D
Eigentlich mache ich ja schon seit fast 3 Wochen Urlaub an der Ostsee auf dem Ponyhof, aber jetzt geht es in den Urlaub vom Urlaub sozusagen, in dem ich mich noch nicht mal um Ponys und Reitkinder kümmern muss :) Eine Woche reicht da aber völlig aus, sonst werde ich immer ganz hibbelig, wenn ich zu lange nichts tue ...

Schon in meinem letzten Post habe ich ja etwas Resume gezogen aus diesem ersten Jahr des Medizin-Studiums. Wahnsinn, dass ich jetzt wirklich schon 2 Semester hinter mir habe! Ich weiß zwar, dass das im Vergleich zu dem, was alles noch vor mir liegt, noch nicht so viel ist, aber es fühlt sich immer noch ein bisschen an als wäre ich gestern erst zum ersten Tag der OE in die Uni gegangen und dafür sind 2 Semester doch schon viel irgedwie.
Mit ein bisschen Abstand zur Uni und einem bisschen freieren Kopf fällt mir umso mehr auf, wieviel ich in diesem Jahr gelernt habe, und damit meine ich definitiv nicht (nur) medizinisches Wissen. Das Studieren selber gefällt mir wahnsinnig gut und ich fühle mich sehr wohl damit. Selbst die viele Anwesenheit die wir haben mag ich irgendwie und ganz besonders mag ich das miteinander in unserer Seminar- und Praktikumsgruppe <3
So langsam fühle ich mich dazu bereit, mein Leben komplett selbst in die Hand zu nehmen und der Wusch auszuziehen und auf eigenen Füßen zu stehen wird immer größer. Zugegeben, bis ich finanziell auch unabhängig sein kann, wird es noch etwas dauern und ich bin wahnsinnig glücklich und froh, dass meine Eltern mich so unterstützen, aber dennoch juckt es mich in den Fingern möglichst alles selbst zu machen und zumindest auch ein bisschen eigenes Geld zu verdienen.
Ich bin mich also ein wenig am Umgucken nach einem Studentenjob. Da ich nicht darauf angewiesen bin habe ich Zeit nach etwas zu gucken, das mich interessiert und mich vielleicht auch etwas weiter bringt und mir mehr gibt als nur ein paar Euros. Auf der Suche bin ich auch auf ein besonderes Jobangebot gestoßen auf das ich mich jetzt letzendlich nicht beworben habe, aber welches mir nochmal einiges vor Augen geführt hat: ich bin in diesem ersten Jahr in der Medizin zwar noch nicht wirklich in die Arzt-Rolle hinein gewachsen, aber definitiv ein ganzes Stück aus der Patienten-Rolle heraus. Wenn ich über mich selbst nachdenke, dann sehe ich mich immer weniger als Patient. Es geht mir dafür einfach schon zu lange zu gut und mir fällt immer wieder auf, an wie wenig ich mich eigentlich noch erinnere. Natürlich sind da einige Erinnerungen, die ich nie verlieren werde, doch im Allgemeinen ist diese ganze Zeit vor jetzt schon vier Jahren sehr weit in den Hintergrund gerückt. Manchmal stare ich ungläubig auf die wenigen Bilder von mir aus dieser Zeit. Ich erkenne mich einfach nicht wieder. Ich weiß zwar, dass ich das bin, dass ich diese ganze Krankengeschichte durchgemacht habe, aber dennoch kommt es mir so vor als würde ich Fotos einer anderen Person anschauen. Alles an mir hat sich verändert seit dem. Es ist nur noch sehr wenig in mir nach von dem Mädchen, das damals die Chemotherapien bekam. Mein heutiges Ich hat zwar aus ihren Erfahrungen gelernt, aber es hat Probleme die Erfahrungen selber noch einmal nachzufühlen und vielleicht ist das ja auch genau richtig so!
Wenn ich heute in den Spiegel sehe, dann kann ich nicht mehr glauben, wie krank ich war (und das selbst, wenn ich gerade erst aufgewacht und ungeschminkt bin). Ich schaue mich an und sehe nichts an mir, das auf Krankheit hindeutet. Selbst die Portnarben sind schon recht blass und fallen weder mir noch sonst irgendwem wirklich auf. Ich muss sagen, ich finde sie fast schon schön, auch wenn das vielleicht etwas komisch klingt. Ich bin ein wenig froh, sie als einzige, kleine, unauffällige, aber ewige Erinnerung zu haben :)
Ich schaue also in den Spiegel und erwische mich manchmal schon wieder bei dem Gedanken "Krebs, das kriegen doch nur die anderen!". Vielleicht ist das ja der erste kleine Anfang, ein bisschen Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Naivität wieder zurück zu bekommen ... nach wenig anderem sehne ich mich so sehr!

Ich habe es glaube ich schon ein paar Mal geschrieben, aber ich bin sehr froh um den Abstand, den ich mittlerweile zu meinem eigenen Krebs habe und über die meistens klare Grenze die ich ziehen kann zwischen mir persönlich und und mir "professionell". Diese Trennung wird wahrscheinlich im Praktikum nochmal auf die Probe gestellt, wenn ich als Praktikantin nach vier Jahren quasi auf meine alte Station zurück kehren werde. Vieles wird anders sein durch das neue Kinder-UKE, doch vieles werde ich sicherlich auch wieder erkennen. Manchmal habe ich ein kleines bisschen Angst, aber die aller meiste Zeit kann ich wirklich sagen, dass ich mich sehr auf das Praktikum und alle Erfahrungen - die angenehmen und die vielleicht nicht so angenehmen - total freue! Und welcher Medizinstudent sagt das schon über sein Pflegepraktikum?

Nun lasse ich die Tage ganz entspannt im Urlaub verfliegen und wenn ich wieder komme ist es schon gar nicht mehr lange hin, bis es für mich wieder medizinischer wird. Bis dahin genieße ich die Zeit des "Nichts-tuns" so sehr wie schon lange nicht mehr. Lasst und alle einen wunderbaren Sommer haben! :D

2018/07/25

Die ersten Semesterferien

Eigentlich stimmt es gar nicht, dass ich gerade meine ersten Semesterferien habe, denn auch zwischen dem Winter- und Sommersemester gab es natürlich schon welche, aber dennoch finde ich die typischen Semesterferien sind die langen im Sommer und die genieße ich nun gerade zum ersten Mal. Von Mitte Juli bis Anfang Oktober haben wir frei - was für ein Luxus! Trotzdem wird es wohl nicht langweilig werden, denn neben einer Woche Urlaub und viel Zeil auf dem Ponyhof erwarten mich auch zwei praktika, auf die ich schon ganz gespannt bin und mich seit längerem freue!

In diesen Tagen muss ich oft daran zurück denken, wie ich noch vor einem Jahr in den letzten Zügen der Ham-Nat-Vorbereitung war. Diese enorme Anspannung und Unsicherheit, vermischt mit dem riesen großen Wunsch des Medizinstudiums ... das war wirklich eine sehr besondere und auch nevenaufreibende Zeit! Ganz anders ist es dieses Jahr, in dem ich ganz entspannt den wundervollen Sommer (fast schon zu warm, aber man will sich ja nicht beschweren) genießen kann. Ich habe den Studienplatz bekommen, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, eher noch übertroffen. Ich habe unglaublich viel dazu gelernt und Erfahrungen gesammelt, nicht nur über Medizinische Fakten, sondern auch über das Studentendasein, Zwischenmenschliches und noch so viel mehr und all das hat dazu beigetragen, dass ich die ersten beiden Semester nun bereits erfolgreich absolviert habe.
Ich habe viele Sachen kennengelernt und verstanden, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Meine Neugier wurde so einige Male geweckt und auch wenn ich die freie Zeit jetzt brauche und genieße, brenne ich schon darauf im nächsten Semester wieder Neues zu lernen und noch mehr zu verstehen. Ich habe weiter gemacht zu träumen - von weißen Kitteln, Doktorarbeiten und zufriedenen Patienten. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich vielleicht begleiten und unterstützen werden auf dem Weg, genau diese Träume zu verwirklichen. Ich weiß, dass ich es schaffen kann, meine Träume irgendwann zu verwirklichen. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, doch auch der ist bis hierhin zumindest schonmal ziemich cool und bringt mir jeden Tag wieder Spaß. Also macht es doch auch nichts, wenn es noch ein Weilchen dauert ihn entlängs zu gehen.

Auch abseits der Uni hat sich viel getan in diesem Jahr. Wahrscheinlich ist das aber normal, dass sich nicht immer nur eine Sache im Leben ändert. Wenn die erste Veränderung passiert folgen darauf noch viele weitere. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass sich nichts verschlechtert hat. Vielleicht sollte ich anfangen weniger Angst vor Veränderungen zu haben, mutiger zu werden und mehr zu wagen. Man muss sich klar machen, was einem das wichtigste ist und sich genau dafür einsetzen. Ich möchte mir für das nächste Semester vornehmen, dieses Motto noch etwas häufiger im Hinterkopf zu haben :)

Die letzte Veränderung über das Jahr war wahrscheinlich der Wechsel von der Patienten- in die Arztrolle. Auch wenn sich diese neue Rolle noch sehr unwirklich, häufig viel zu schwer auf den Schultern und meistens noch nicht so zutreffend anfühlt, ist es umso befreiender eindeutig nicht mehr der Patient zu sein - abgesehen von den 4 Nachsorgeuntersuchungen im Jahr, die ich hier jetzt gekonnt ignoriere. Schließlich werde ich dort auch immer mal mit "Hallo Frau Kollegin" begrüßt :P
So ungewohnt es noch ist, so schön ist es auch, diesen Rollenwechsel zu erleben, egal wie langsam er verläuft, Es sind schon große Schritte getan!

Jetzt heißt es also Kraft tanken in den Ferien, Erfahrungen sammeln in den Praktika und dann mit neuer Motivation und Energie durchstarten ins 3. Semester! Dann gibt es auch schon neue Ersties und ich bin kein Erstie mehr :))

2018/07/08

Sommer, Sonne, gute Laune

Mit diesen 4 Wörtern lassen sich meine letzten Wochen ganz gut zusammenfassen. Das Wetter ist einfach so herrlich sommerlich, seit einiger Zeit nun schon (ich befürchte manchmal der Sommer ist bald aufgebraucht für dieses Jahr), es kommt trotz Uni und bevorstehender Klausur irgendwie so ein Ferien-Gefühl auf, es gibt zahlreiche Anlässe zum Feiern und noch dazu kommt es immer wieder zu netten Zufällen, Begegnungen und so weiter.
Allein in der letzten Woche war das Sommerfest des UKEs, das Grillen bei unserem Bandlehrer, der Abiball meiner Schwester und ein Bandkonzert auf der Hedi (Schiff). Ich kann ganz ehrlich einfach nicht sagen, was davon der schönste Abend war.

Beim UKE Sommerfest ist mir erst einmal wieder bewusst geworden, wie wahnsinnig glücklich ich darüber bin, mich bald schon seit einem Jahr "Medizinstudentin" nennen zu dürfen! Ich hab neue Freunde an der Uni gefunden, mit denen ich eine Menge Spaß haben kann, und ich habe es über das Jahr einigermaßen geschafft, mein Patienten-Dasein immer mehr hinter mir zu lassen und mich zunehmend auf die Arzt-Rolle einzustellen und auf das Studium zu konzentrieren. Es fühlt sich so wahnsinnig gut an und ich würde mittlerweile behaupten ich bin in einigen Situationen bald schon wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich denke "Krebs bekommen doch nur die anderen". Ich glaube das erleichtert es mir, Patienten-Schicksale nicht zu sehr an mich ran zu lassen und gleichzeitig denke ich, dass mir die besondere Empathie durch das selber-mal-erlebt-haben trotzdem nicht so schnell verloren geht :) Irgendwann zwischen Tanzen, Quatschen und Sekt trinken schallte laut "Auf uns" von Andreas Bourani über das Gelände. Ich habe diesen Song ewig nicht mehr gehört und er erinnerte mich direkt an 2014 und an die Fußball-WM, die ich damals in meiner frisch gewonnenen Freizeit sehr intensiv verfolgt habe. Das war vor 4 Jahren, direkt nach der Diagnose in den Anfängen der Chemotherapie und jetzt stehe ich hier, 4 Jahre später als Medizinstudentin, nur wenige Hundert Meter von de Ort entfernt, an dem ich 2014 auf Station das sensationelle 7:1 von Deutschland im Halbfinale gegen Brasilien verfolgt habe, und kann mein Glück einfach kaum fassen!

Wer friert uns diesen Moment ein?
Besser kann es nicht sein
Denkt an die Tage, die hinter uns liegen
Wie lang' wir Freude und Tränen schon teilen
[...] 
Ein Hoch auf das, was vor uns liegt
Dass es das beste für uns gibt
Ein Hoch auf das, was uns vereint
Auf diese Zeit!
Ein Hoch auf uns
Auf dieses Leben 
Auf den Moment
Der immer bleibt 
Ein Hoch auf uns
Auf jetzt und ewig
Auf einen Tag
Unendlichkeit
[Andreas Bourani - Auf uns]

Das Wochenende war natürlich auch total schön. Dafür, dass bald Prüfungen sind, war ich wahrscheinlich zu entspannt, aber es tat einfach gut die Seele bei den Pferden baumeln zu lassen und am Sonntag dankte mit mein Pferdchen das auch besonders <3
Abends ging es dann zum Grillen bei meinem Bandlehrer. Nicht nur dass ich noch nie so gut begrillt wurde (das war echt der Hammer, was der alles für uns aufgefahren hat!), auch die Menschen dort sind einfach toll! Ich habe alte bekannte wieder getroffen, mich sehr wohl gefühlt und bis es schon wieder etwas hell wurde einfach am Feuer gesessen, mir die Fäße gewärmt und den Moment genossen. Die Vorlesung am nächsten Morgen um kurz nach 8 Uhr war zwar etwas hart, aber das schmälert den schönen Abend kein bisschen!

Am Montagabend war dann der Abiball, welch ein feierlicher Anlass! Ich muss aber sagen, dass dieser mir von all den Feierein in der letzten Woche fast am wenigsten gefallen hat. Das ging mir aber bei meinem Abi schon so, dass ich die Abi-Entlassung eigentlich viel schöer fand :)

Am Dienstag hatte ich dann Party-Pause und hab mal ein bisschen was für meine Bildung getan, bevor es am Mittwoch mit dem Konzert auf der Hedi weiter ging.
Abendsonne + Schiff + Hafen + kaltes Getränk + gute Livemusik = perfekt!! Es war so unglaublich toll ich ich habe es wirklich sehr genossen! Ich wünschte, sowar gäbe es deutlich öfter <3 Sich einfach mal der Musik und dem Moment hingeben, alles andere fallen lassen ... das Leben ist so wundervoll und solche Momentw würde ich wirklich gerne in Marmeladengläsern sammeln.

Ich hoffe diese hohen Sommerwolken tragen mich nächste Woche auch durch die Klausur ... ich freu mich aber irgendwie auch fast schon auf die drei Tage intensives Lernen vorher :) Bin ich komisch, sowas zu sagen?
Egal, morgen wird nochmal ganz entspannt so gut wie gar nichts für die Uni getan, denn es ist ein langer Tag mit den Ponys geplant. Man soll es ja auch nicht übertreiben mit der Lernerei :P

2018/06/28

Leistung und Druck

Ein Thema, um das es wohl ständig in unser aller Leben geht, ist die Leistung.
Wir vergleichen uns über die Leistung mit anderen und andere vergleichen sich mit uns. Man wird ständig nach Dingen gefragt, die man schon erreicht und geleistet hat. Dabei finde ich, dass man "Leistung" doch eigentlich total schlecht vergleichen kann.
Es ist leicht, wenn man nur auf das Endergebnis guckt und leider ist es ja oft genug das, was am Ende zählt. Viel ehrlicher wäre es aber doch, wenn man schaut welcher Weg gegangen wurde, um ein bestimmtes Endergebnis zu erzielen.
Unterschiedlichen Menschen fallen ganz unterschiedliche Sachen leicht oder schwer und es ist ganz einfach unfair das Endergenis aller am Ende auf gleichem Level miteinander zu vergleichen, hat der eine doch viel mehr dafür arbeiten müssen als der andere.

Der Leistungsvergleich war eine Sache, die ich schon ander Schule nie mochte. Jetzt mag man sich fragen warum, denn ich gehörte immer zu den guten bis sehr guten Schülerinnen. Aber genau in diesem Fragen vieler, sehe ich schon das erste Problem: Darf man mit guten Leistungen, die noch besser hätten sein können, nicht mehr unzufrieden sein? Darf man nicht noch mehr wollen?
Gleichzeitig aber ganz andere Fragen: Darf ich mich über meine guten Leistungen freuen, während andere jetzt gerade enttäuscht über sich sind? Darf ich mich darüber freuen, dass sich meine Arbeit ausgezahlt hat, während der Plan eines anderen vielleicht gerade nicht aufgegangen ist?
Wenn ich ehrlich bin, war es mir häufig unangenehm gute Noten zu haben. Ich hatte das Gefühl, ich dürfe mich nicht darüber freuen. Das lag zu einen daran, dass einige Mitschüler wahrscheinlich noch viel neidischer geworden wären, andererseits hatte ich immer Angst als "Streber" oder "Schleimer" dargestellt zu werden. Noch dazu kommt, dass ich selsbt teilweise das Gefühl hatte, meine guten Ergebnisse seien nicht gerechtfertigt, denn mein Freund hat vielleicht viel mehr gearbeitet um am Ende weniger Punkte dafür zu bekommen.
Gleichzeitig setzen einen die ständigen guten Leistungen auch sehr unter Druck. Es gibt einem das Gefühl, richtig versagt zu haben, wenn die aufregenste Nachricht, die nach Rückgabe der Klassenarbeit durch das Klassenzimmer gebrüllt wird, ist, dass Luedij ja dieses mal blos eine 2- hat. Wie konnte das nur passieren?!
Nicht nur die Mitschüler setzen einen dadurch unter Druck, auch die Eltern erwarten viel, wenn man meistens viel zu bieten hat. "Du musst nicht immer so gut sein, man darf auch mal Fehler machen", sagt sich leicht, so lange das Kind trotzdem immer 1en und 2en nach hause bringt. Ich werde aber nie den Tag vergessen, an dem ich ein einziges Mal mit einer 4 in der Englischarbeit nach hause kam und gehörig von meinem Vater beschimpft wurde. Ich glaube er wusste gar nicht, was er damit in mir auslöste.
Letzendlich hat man natürlich auch selbst einen Anspruch an sich und ich denke das ist manchmal fast das gröste Problem. Der Mensch ist so gestrickt, dass er schwer mit etwas zufrieden ist und immer noch mehr will. Aber je mehr er schon hat und je mehr er schon leistet, desto schwieriger ist es auf dies noch eine Schippe oben drauf zu setzen und umso wahrscheinlicher ist es am Ende enttäuscht zu sein. Man ist plötzlich enttäuscht über ein Ergebnis, das eigentlich super gut ist, nur weil man gehofft hatte, es dieses Mal noch einen Deut besser hinzubekommen.
Ich finde trotzdem nicht, dass man irgendwann aufhören sollte mehr zu wollen, denn eine gesunde Motivation ist wichtig um dran zu bleiben, doch der Grad zwischen Motivation und Interesse gegenüber falschem Ehrgeiz ist sehr schmal. Trotz allem muss man am Ende auch mal Fünfe gerade sein lassen können, denn niemand ist perfekt!

Es gibt wahrscheinlich einige Dinge, die unter Druck funktionieren oder vielleicht sogar noch etwas besser funktionieren mögen. Da ist zum Beispiel die Hausaufgabe zu nennen, die in der Pause vor der Stunde plötzlich ganz schnell gemacht ist. Es gibt auch Menschen, die mit Druck besser zurecht kommen als andere, aber dennoch haben wir alle irgendwo eine Grenze, ab der wir einem Druck nicht über lange Zeit standhalten können.
Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, erreicht man meiner Meinung nach nicht über reinen Druck. Unter Druck geht die Kreativität und die Lust verloren. Was könnte ohne dies noch wirklich erfolgreich und bedeutend sein?

Jetzt schreibe ich lange über Leistung und über Druck und komme eigentlich zu dem Fazit, dass man das alles vielleicht etwas lockerer sehen sollte. Ich studiere aber gleichzeitig Medizin, den Studiengang der wahrscheinlich am aller meisten für den dort herrschenden Leistungsdruck verschrien ist.
Schon mit der Vergabe der Studienplätze fängt es an, dass ganz extrem nach Leistung verglichen wird - nämlich bei der Vergabe der Studienplätze nach dem Numerus Clausus. Wer nicht den bestmöglichen Abi-Schnitt hat, hat hier sowieso schonmal keine Chance. Nun bieten verschiedenste Unis verschiedene Auswahlverfahren an, in denen sie versuchen die geeignetsten Medizinstudenten zu finden. Ich schreibe ganz bewusst nicht Ärzte, denn die meisten Auswahlverfahren sind (wenn sie denn überhaupt einen tieferen Sinn haben) darauf ausgelegt, dass die Ausgewählten das Studium gut meistern. Zwischen 1er-Student und guten Arzt gibt es meiner Meinung nach aber nicht zwangsläufig Parallelen. Letztendlich sind auch die Auswahlprogramme fast ausschließlich auf Leistung aus.

So geht es im Studium munter weiter. Ständig gibt es Überprüfungen und man wird immer wieder bewertet danach, was man am Tag der Prüfung geleistet hat. Fast alles, was wir gelehrt werden, werden wir auch wieder geprüft mit dem Ziel die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass jeder sich mit dem Inhalt intensiv auseinander gesetzt hat. In gewisser Weise sicherlich eine effektive Strategie, dennoch ist der Druck dadurch natürlich immens!
Der Druck kommt aber nicht nur von der Uni selbst aus, sondern natürlich auch in diesem Falle wieder von einem selbst und von seinen Kommilitonen. Die kleine Frage "Hast Du die Signalwege schon gelernt?", kann einen ziemlich schnell verunsichern, wenn man das Gefühl hat, dass alle anderen das schon getan haben, nur man selbst nicht. Man vergleicht sich unweigerlich mit den anderen. Da jeder seine Stärken lieber präsentiert als seine Schwächen, hat man sehr schnell das Gefühl, der dümmste aller Studenten zu sein und vielleicht doch für dieses anspruchsvolle Fach und diese "Konkurrenz" nicht gut genug zu sein. Dabei gibt es doch eigentlich gar keinen Wettstreit. Es ist vollkommen unnötig, sich mit den anderen zu vergleichen. Jeder von uns hat es geschafft, dort hin zu kommen, wo er nun ist. Es gibt niemanden, der es nicht verdient hat, dieses Studium zu bestreiten und es hat auch niemand das Recht dazu einem dieses Gefühl zu geben.
Manchmal merken diese Menschen, die sich gerne selbst darüber profilieren, was sie alles schon können und gelernt haben, gar nicht, was das bei anderen auslöst und zu guter letzt auch, dass es vielleicht noch andere (wichtigere) Dinge gibt, als schon drei Wochen vor der Klausur alle Details auswendig zu wissen.
Es geht doch mittlerweile nicht mehr darum, immer der oder die Beste sein zu müssen. Den Auswahlverfahren zum "Dank" befinden wir uns schon an der Spitze der Bildung, reicht das denn noch nicht? "Where a chest full of gold, the gold on the bottom is valued the same as the gold on the top." Langsam wäre es doch vielleicht mal an der Zeit die Ellenbogen etwas einzufahren und zumindest für den Moment des Studiums ausschließlich das miteinander zu genießen.

Aber in unserer Gesellschaft scheint das so nicht verankert zu sein. Stattdessen wird gebattelt um den halben Punkt mehr in der Klausur oder die Anzahl der Stunden, die man ins Lernen investiert hat. Aber mal so ganz am Rande: ist es wirkich ein Gewinn, Tag und Nacht nichts anderes getan zu haben als in Bücher und auf Bildschirme zu schauen?

Ich wünschte, wir würden uns alle weniger über Leistungen im klassischen Sinne definieren. Ich wünschte, wir alle würden die "stillen" Leistungen mehr anerkennen. Die, die sich nicht in Zahlen und vielleicht noch nicht mal richtig in Worten festhalten lassen. Ich wünschte wir würde jegliche Art von Leistung würdigen und nicht nur solche, die auf den ersten Blick schon glänzt.
Hinter so vielen vermeindlich kleinen Erfolgen steckt in Wahrheit noch so viel mehr!

Ich will versuchen mit von den Alles-besser-Könnern fern zu halten. Ich will versuchen, mich nur mit mir zu vergleichen. Nur wenn man sich mit sich selbst vergleicht, kann meine eine Entwicklung sehen. Man selbst ist sein einzig sinnvolles Maß. Ich möchste nicht die beste Medizin-Studentin sein, viel mehr möchte ich eine gute Ärztin werden. Ich möchte am Ende nicht für meine Kommilitonen gut sein, sondern für meine Patienten.

2018/06/17

Auf dem Weg


Geht's mal nach links,
dann bieg ich nicht ab.
Ich fahr grade aus
und mach kein Stop.

Geht's mal nach rechts,
ich fahr dran vorbei.
Ich schau hinterher
doch bleib dabei.
 
Ich weiß jetzt, auf dem Weg,
auf dem ich lauf
bin ich an so vielen vorbeigerauscht.
Auf dem Weg liegt was ich such
ich schau jetzt hin,
ich lass es endlich zu.
[Auf dem Weg - Mark Froster]



2018/06/15

Medizin!

Das zweite Modul für dieses Semester ist in vollem Gange, die letzten Wochen bis zu den ersten langen Semesterferien im Sommer lassen sich schon an einer Hand abzählen und trotzdem bin ich noch nicht müde des Studierens! Ich hätte gedacht, die anfängliche Euphorie würde irgendwann im Alltagstrott untergehen, aber bisher ist das tatsächlich nicht passiert und ich frage mich, ob es überhaupt noch passieren wird ...
Natürlich habe ich mich mittlerweile sehr gut eingewöhnt an der Uni. Viele Dinge sind jeden Tag gleich, es gibt keine großen Überraschungen mehr und ich habe mich im Allgemeinen an meinen Uni-Alltag gewöhnt. Trotzdem ist aber kein Tag wie ein anderer!
Das fängt schon beim Stundenplan an: unserem Modellstudiengang iMed ist es geschuldet, dass wir jeden Tag und jede Woche andere Vorlesungen, Seminare, Praktika usw. haben. Selten beginnt der Tag an der Uni erst um 10 oder endet schon um 12 Uhr, häufiger starten wir zwischen 8 und 9 Uhr morgens und haben bis in den Nachmittag verschiedenste Veranstaltungen. Abgestimmt auf das jeweilige Wochen- und Modulthema unterscheiden sich die Fächer, die wir haben. In der letzten Woche und auch in dieser Woche haben wir z.B. viel Biochemie auf dem Stundenplan, denn es geht um Krebs und Krebsentstehung anhand der Beispiele der chronischen myeloischen Leukämie und des Mammakarzinoms. In den letzten beiden Modulwochen werden wir sehr viel Anatomie haben, denn dann geht es um die Entwicklung des Lebens, also um die Embryologie. Sicherlich bringt dieser wechselhafte Stundenplan manchmal Schwierigkeiten mit sich und die Nachmittagsgestaltung muss immer mal angepasst werden, doch trotzdem bietet dieses Modell einfach viele Vorteile was die Inhalte angeht!
Nicht nur der Stundenplan ist ständig anders, sondern natürlich auch die schon erwähnten Inhalte, die uns in all den Veranstaltungen nahe gebracht werden. Ich habe in diesen paar Monaten nun schon so viel gelernt (und auch wieder vergessen) über die verschiedensten Bereiche und Funktionen unseres Körpers und trotzdem ist alles in allem irgendwie ein riesiges Gesamtwerk. Nichts steht für sich allein, alles beeinflusst sich gegenseitig - das ist ein bisschen beängstigend, aber irgendwie auch sehr beeindruckend und faszinierend.
Fast täglich staune ich über die intelligenten Wirkmechanismen unseres Körpers, über so viele Themen, bei denen wir gerade einmal an der Oberfläche kratzen. Es gibt noch so unglaublich viel nicht nur für mich zu lernen, sondern auch von der Menschheit zu erforschen! Es klingt immer so kitschig, aber für mich ist der menschliche Körper ein Wunderwerk und es ist manchmal fast ein bisschen wie in einer Märchenstunde, wenn die Dozenten neue Fakten, Zusammenhänge und auch Forschungsansätze erklären. Und auch dabei geht immer mal wieder zu wie in einem Märchen - manches kann man glauben oder eben auch nicht.
In den Praktika und praktischen Kursen geht es dann darum, die gelernte Theorie ein Stück weit in die Praxis umzusetzen oder durch Experimente nachzuvollziehen und zu bestätigen. So manches Mal wundert man sich dann doch noch einmal, wie viel einfacher man sich das vorgestellt hätte oder auch anders herum, wie unspektakulär ein Vorgang anzusehen ist, der aber vielleicht eine erhebliche Bedeutung hat. Einiges versteht man noch einmal ganz anders, wenn man die Möglichkeit hatte, es selbst durchzuführen.
Die Uni hört nicht auf, wenn ich nach hause komme. Nach Zeit für die Hobbys oder einfach einer Pause geht es für mich gegen Abend fast immer nochmal an den Schreibtisch. Ich versuche das neu Gelernte für mich zu sortieren, einzuordnen und vielleicht schonmal ein bisschen im Kopf zu behalten. Ich freue mich nicht nur darüber, wenn ich mich am nächsten Tag sogar noch an die wichtigsten Punkte erinnere, sondern auch darüber, wenn ich merke wie ich nach und nach immer mehr Dinge hinterfrage. Ich habe das Gefühl, ich lerne langsam mit dem medizinischem Wissen das mir täglich vorgelegt wird, umzugehen.
Häufig packt mich ein Thema so sehr, dass ich fast jeden Abend später ins Bett komme als geplant und am nächsten Morgen müder in den nächsten Uni-Tag starte als gewollt, aber auch der hält wieder so viel Neues bereit, dass kaum Zeit zur Pause bleibt. Das ist zwar stressig, aber ich mag es gleichzeitig sehr <3
Alles in allem ist das hier vielleicht eine kleine Liebeserklärung an mein Studium. Ich fühle mich im Moment so gut damit! Ich könnte mir wirklich nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen. Die Medizin fasziniert mich jeden Tag und bringt mich jeden Tag dazu, viele Stunden und Gedanken in sie zu investieren. Ich bin mir sicher, dass der Aufwand sich lohnen wird <3 Eigentlich tut er das ja jetzt schon!



2018/06/11

Cancer Survivorsday 2018


Genau wie im letzten Jahr war ich auch dieses Jahr wieder beim Cancer Survivor's Day des UCCH und der Hamburger Krebsgeselschaft. Dieses Mal war das Ganze etwas anders aufgezogen als beim letzten Mal, daher dachte ich, es schadet vielleicht nicht nochmal dabei zu sein.

Das Program startete um 15 Uhr mit einem Vortrag über die Survivors und die zahlreichen Spät- und Langzeitfolgen, die nach der intensiven Therapie auftreten können. Ich selbst habe das alles bestimmt nun zum 10. Mal gehört, doch viele andere im Raum waren offensichtlich etwas geschockt von all den Risiken, die auch nach der Therapie noch bestehen. Da muss wohl eindeutlig noch mehr Aufklärung stattfinden!
Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema Wiedereinstieg in den Beruf, was mich so gar nicht betroffen hat und dementsprechend auch leider überhaupt nicht interessiert hat.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter in verschiedenen Workshops, für die man sich vorher anmelden konnte. Da mich weder der Workshop zu gesunder Ernährung und Bewegung, noch der zum Wiedereinstieg in das Berufleben interessierte, wählte ich den Workshop zum Thema Clown und Humor der unter dem Motto "Was können wir vom Clown klau'n?" stand. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was mich erwarten würde und ob es mir gefallen würde, doch am Ende war ich wirklich positiv überrascht und sehr glücklich mit meiner Wahl! Fazit: Ich möchte vom Clown klaun, immer neugierig und mutig zu sein, nicht viel um den heißen Brei zu reden, Gefühle zu zeigen, ein bisschen frech zu sein und zu spontan zu sein und im Moment zu leben.
Nach dem Workshop gab es nochmal eine Pause und dann ging es mit einem kulturellen Programm weiter. Drei Vorträge standen an und der erste war von Sabiene Dinkel. Sie hat nach ihrer Krebserkrankung geschrieben mit dem Titel "Krebs ist, wenn man trotzdem lacht!". Ehrlich gesagt gefielen mir die meisten Passagen, die sie vorlas oder erzählte nicht so sehr. Mir kam es etwas zu pauschalisierend und irgendwo dann doch zu albern vor. Aber das ist nur mein erster Eindruck gewesen und ich kann mir trotzdem vorstellen, das das Buch einigen anderen Patienten vielleicht gerade am Anfang der Therapie helfen könnte...
Der zweite Vortrag war von den Segelrebellen. Der Gründer Marc erzählte eindrucksvoll von den Reisen, die er und andere Krebsis schon unternommen haben. Er sprach viele Gedanken aus, die ich auch schon so oft hatte. Eine der Kernaussagen: man macht es, weil man es kann! Man freut sich, wenn es kalt ist, wenn es regnet und stürmt und man stundenlang das Boot manövrieren muss, einfach weil da niemand ist, der einem sagt man solle sich schonen und einen Gang runter schalten. Man freut sich einfach, wieder ganz viel alleine machen zu können!
Der letzte Vortrag war dann noch ein Reisebericht von der lieben Raliza, mit der ich auch schon den Großteil des Tages verbracht hatte. Sie ist kurz nach ihrer Chemotherapie mit einer Gruppe von Viva con Aqua 550 km durch das Hinterland von Afrika gewandert. Wirklich beeindruckend, was sie erzählte, und der Höhepunkt war definitiv der eigene Song, den sie am Ende noch mit ihrer Ukulele sang <3 Hard times - hört mal in ihrem Video auf Instagram vom 12. Februar rein!
Zum Schluss klang der Abend noch etwas im Garten aus mit ein paar netten Gesprächen. Ich denke im nächsten Jahr werde ich nicht noch einmal zum Survivors Day gehen, denn außer mit und Raliza war nur noch ein weiterer junger Survivor dabei, ansonsten war das Durchschnittsalter doch deutlich höher! Aber das liegt eben daran, dass Krebs in der Regel eine Erkrankung des Alters ist ...

So viel also zu diesem Tag. Er war lang aber doch irgendwie recht schön. Ein bisschen fühlt es sich immer an wie in einer zweiten Welt, wenn ich vormittags unter Studenten bin und nachmittags zwischen Krebsis. Wahrscheinlich ist es aber auch eine völlig andere Welt, von der die meisten in meinem Alter zum Glück nicht viel wissen :)


2018/06/05

Nachsorge ohne -sorge

Heute war ich wieder zur Nachsorge und irgendwie fällt mir in letzter Zeit auf, dass ich die mich tatsächlich auf die Nachsorge-Termine freue! Zum einen ist meine betreuende Ärztin (behandeln tut sie ja eigentlich kaum) einfach super, super nett, zum anderen fühle ich mich gut aufgehoben und gut überwacht, sodass sollte mal irgendetwas auffällig sein das auch sofort erkannt wird.
Nach den Nachsorgen kann ich sicher sein, dass alles in bester Ordnung ist. Ich werde bestätigt darin, dass ich auf mein gutes Körpergefühl vertrauen kann und darin, dass mein Körper mich nicht wieder hinterlistig betrügt und irgendwas ausbrütet. Außerdem quatsche ich auch immer ein bisschen über mein Studium und auch das tut irgendwie gut.

Meine Nachsorge heute lief in etwa so ab:
Ich kam ein paar Minuten zu früh, meldete mich an und nah kurz Platz im Wartezimmer. Kurz darauf holte mich meine Ärztin auch schon ab und wir setzten uns im Untersuchungszimmer. Sie fragte mich, wie es mir geht und ob ich Beschwerden oder Schwierigkeiten habe, ob irgendwas auffällig sei. Ich verneite und sagte es geht mir gut, worauf sie antwortete "Die Anamnesen werden ja auch immer kürzer bei Ihnen" :D
Ein paar Punkte aus den letzten Untersuchungen haben wir noch besprochen, dazu zählte z.B. mein Vitamin D, meine Periode und die aufgerissenen Mundwinkel. Sie fragte mich dann noch danach, wie das Studium so läuft, welchen Wahlpflichtbereich ich gerade hatte usw. Da mein erster Wahlpflichtbereich ausgerechnet die Onkologie war, blieben wir noch einen kurzen Moment bei dem Thema. Sie fragte, ob es für mich komisch oder unangenehm sein, die Onkologie und speziell Leukämien nun an der Uni als Inhalte zu haben und ich antwortete, dass ich es nicht so empfinde, da das Herangehen und die Sicht darauf doch eine völlig andere ist.
Schließlich kamen wir zur körperlichen Untersuchung. Ich wurde abgehört, überall paliert usw. Sie schaute meine Haut an und kontrollierte die Lymphknoten. Auf die Waage musste ich heute nicht - ist vielleicht auch besser so :'D
Ich fragte noch nach den Ergebnissen vom Herz-Echo im April mit dem Ergebniss, dass die Befunde unverändert und physiologisch sind, also ist alles gut! Anschließend fragte meine Ärztin noch einmal nach, ob noch irgendetwas sei, doch als uns beiden nichts mehr einfiel, wir auch alles sonstigen wichtigen Dinge bequatscht hatten und sie mir wie jedes mal sagte, dass ich jeder Zeit anrufen könne falls mir etwas komisch vorkäme, entließ sie mich wieder ins Wartezimmer um dort noch viele Fragebögen für eine Studie auszufüllen und auf die Blutabnahme zu warten.

Besonders schön war, dass meine Ärztin mich heute im 3. Jahr der Nachsorge begrüßte. Sie hat das so lieb gesagt, dass ich mich richtig darüber gefreut habe :)
Gerade im Bezug aufs Studium bestärkt und motiviert mich meine außerdem Ärztin jedes Mal ein bisschen. Es freut mich ungemein, dass sie mir zu diesem Studium so zuspricht. Immerhin weiß sie ganz genau, was mich in dem Job später einmal erwarten wird und sie scheint zu glauben, dass das alles sehr gut zu mir passt. Sowas freut mich einfach sehr und macht mich fast ein wenig stolz, wenn Ärzte mir nicht nur erzählen, dass dieses Studium super toll ist sondern eben auch wenn sie mir sagen, dass es für mich toll ist <3
Es ist wirklich fast schade, dass ich nicht mehr so oft zu ihr in die Nachsorge muss. Aber eigentlich ist es ja ein sehr gutes Zeichen und es tut mir auch gut zunehmend auf meinen gesunden Körper zu vertrauen, auch ohne ständige Kontrollen. :)